Was gab es Neues auf dem Screenforce-Day im Mai

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Der diesjährige Screenforce-Day, mit der Headline ‚Die neue Freiheit! Bewegtbild auf allen Kanälen‘ überschrieben,
hat 2 interessante Key-Notes geboten, inhaltlich aber nicht wirklich viel Neues gebracht.
Dennoch fanden sich rund 1.500 Teilnehmer aus werbungtreibenden Unternehmen und Agenturen in Düsseldorf ein.
Sie sahen/ hörten einen gut aufgelegten Altbundespräsidenten Wulff, der es verstand, aktuelles Welt- und Politgeschehen mit der Situation der Medien und Werbung in Deutschland zu verbinden.
Als nächster Redner schaffte es Bob Hoffman, ein „rigoroser Kritiker des digitalen Hypes“ („Financial Times“) polarisierend und zuspitzend zugleich den oftmals überzogenen Hype digitaler Kommunikation in Marketing und Werbung aufs Korn zu nehmen. Als Blogger und Ex-CEO mehrerer US-Agenturen verbreitet er nun sein Urteil über die Inkompatibilität von Werbern und Kunden. Sein Buch „Marketers are from Mars, Consumers are from New Jersey“ ist voll von Beispielen, die sicher übertrieben sind, dennoch den ein- oder anderen unserer Zunft mal wieder zum Nachdenken anregen sollte – es ist (noch) nicht alles digital.

Ein paar Infos aus der Forschung gab es natürlich auch. Das Sinus-Institut, Frau Dr. Silke Borgstedt stellte fest, dass sich die Digitalisierung auf unsere Lebensgewohnheiten und unser Freiheitsempfinden auswirkt. Nicht nur bei Mediennutzung und sozialen Beziehungen entstehen neue Verhaltensweisen und Milieuverortungen, auch in Bezug auf Raum und Zeit verändern wir uns. ‚Mehr tun in gleicher Zeit‘ ist eine Devise. Schnelligkeit und der Wert von Zeit nehmen zu, Privatsphäre wird relativ und Nutzen ist das neue Besitzen.

Kai Weidlich stellte fest, das die Nutzung von Bewegtbild nicht alters- wohl aber lebensphasenabhängig ist.
Auch wenn die ‚Millenials immer mehr mobile Devices zum Bewegtbildempfang nutzen, bleibt das lineare TV mit über 90% auf dem ersten Platz ( wie sollte es auch auf dem ‚Screenforce-Day‘ anders sein).
Dennoch bleibt die Erkenntnis, dass sich die Nutzung nicht aus den technischen Möglichkeiten rekrutiert, sondern immer der jeweiligen Lebenssituation anpasst – heisst: auch Millenials werden älter, bekommen Kinder und passen sich dem Verhalten Ihrer Vorfahren wieder etwas an und sehnen sich dann wieder nach der Tagesstrukturierung durch das TV.

Prof. Dr. Renate Köcher (IfD Allensbach) zeigte in Ihrem Vortrag wie ausgeprägt generationsspezifische Informations- und Kommunikationskulturen entstehen. Das Informationsverhalten der 16-24 Jährigen unterscheidet sich deutlich von dem der Gesamtbevölkerung. Hier steht das Internet klar an erster Stelle, wobei sich die werbliche Kommunikation auf ein differenziertes Verhalten hinsichtlich ‚von vornherein aktivem Interesse‘ vs. ‚aktiv an die Zielgruppe herangetragenem Interesse‘ einstellen muss. Interesse wecken ist weitere eine Domäne der klassischen Medien, die Vertiefung erfolgt aber nahezu ausschliesslich digital.