Screenforce Days 2019

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Ein Bericht von Norbert Bügelmeyer, Campus Media GmbH.  

Um es vorweg zu nehmen – Fernsehen erfindet sich auch dieses Jahr nicht neu! Bemerkenswert ist der besondere Fokus auf digitale Plattformen der etablierten TV-Sender. Hier rüstet man sich gegen Netflix, amazon-prime & Co. Tag1 Die Sendergruppe ProSiebenSat.1 hatte den ersten Auftritt und legte recht einfallslos vor. Gespielt ‚witzige‘ Hintergrundstories der Geschäftsführer und Programmverantwortlichen, garniert mit einigen Einspieltrailern wurden von schalen Gags des Moderators Klaas Heufer-Umlauf unterbrochen. Der neue Streamingdienst Joyn bietet sicherlich mehr, als präsentiert wurde. Sat.1 versucht – wie jedes Jahr – seine PrePrime in den Griff zu bekommen und greift in seiner Verzweiflung sogar wieder zu BigBrother und einer neuen Musikshow ‚300’. Sixx bleibt ‚Females Best Friend‘, Pro Sieben Maxx setzt auf Sports und Kabel eins hält die ‚Trucker Babes‘ weiter für einen Riesen Hit. ProSieben könnte mit ‚Masked Singer‘ tatsächlich einen neuen Hit landen – die erste Sendung lieferte über 20 Prozent Marktanteil. ‚Queen of Drags‘ mit Heidi Klum, begleitet von Conchita Wurst und Bill Kaulitz dürfte da weniger gut einschlagen. Die kleinen Sender wie Servus tv bleiben charmant, liefern mit den Moto-GP-Rennen auch reichweite-taugliche Kost, sport1 setzt den Fokus auf den DFB-Pokal und e-sports, betont die Pionierleistung des Fußball-Talks und bewährte Formate. Wie immer sehr gewinnend präsentierte sich Disney-Channel, der den Spagat zwischen Free-TV und eigenem Streaming-Kanal lösen muss. Zum ersten Mal wurden Fakten und Zahlen nicht per Powerpoint präsentiert, sondern unterhaltend mit der ‚Duck-Tales‘ Melodie eingesungen. Die AS&S mit der ARD war ‚überraschungsfrei‘ mit der Fortsetzung der Quiz-Shows, weiteren Vorabend-Krimis und der Sportschau. Tag2 RTL, oder besser Bertelsmann, zeigte in einem beeindruckenden Screening die Größe und Marktbeherrschung. 360° über alle Channels, viel TV Now und Adressable zeigen Innovation und Zukunftssicherheit. RTL setzt auf Eigenproduktionen und wagt sich an Live-Experimente mit eigenen Thementagen – z.B. ‚Die Passion‘ in moderner Form in einer deutschen Stadt an Ostern 2020. ‚Faking Hitler‘ wird das erste fiktionale Content-Alliance-Projekt der Mediengruppe RTL. Die Verfilmung des Podcasts ‚Faking Hitler‘ macht aus dem Stern-Skandal um die gefälschten Hitler-Tagebücher eine TV-Serie. Hier wird zum ersten Mal der Einfluss von Bertelsmann deutlich: vom Buchverlag, über G+J, RTL Radio bis hin zu TV wird alles eingebunden, was der Konzern zu bieten hat – die Ad-Alliance nimmt Form an. Auch Vox wird viel Eigenproduziertes bringen, unter anderem wird eine der erfolgreichsten Reality-Shows der USA – ‚Survivor‘ – aufgelegt und Kochen bleibt ein beherrschendes Umfeld mit neuen Formaten. TV Now wird mit eigenen Comedyserien und einer Realityshow Selbstproduziertes vor den FreeTV zeigen und den Streamingdienst deutlich aufwerten. Visoon und seine Klienten lieferten wenig Neues, außer Comedy-Central mit dem US-Format ‚Roast‘, in dem Promis so richtig ‚geröstet‘ werden. Discovery präpariert sich auf Olympia in Tokio, bringt einen neuen Sender ‚Home & Garden TV‘, noch mit viel US-Material und verspricht für DMAX die Erweiterung der Eigenproduktionen. Sky hat eigentlich ein tolles Portfolio, aber langweiliger hätte man es nicht präsentieren können – also business as usual. RTLII hat seinen Underdog-Status bestätigt und seine bekannte ‚mangelnde Seriosität‘ betont komödiantisch aufgearbeitet. Programmlich werden die erfolgreichen Eigenproduktionen fortgesetzt und erweitert. Das ‚Game of Thrones‘-Finale für alle ohne Sky-Abo wird sicher ein Quotenhit für den Sender. Ob das auch die schräge Gameshow ‚Wild im Wald‘, eine Art Kuscheltier-Olympiade, wird, ist eher fraglich, aber sie passt zum Sender. Somit bleibt unterm Strich: RTL und Vox werden auch in der nächsten Saison stabile Reichweite einfahren, ProSiebenSat.1 wird uns öfter um die Quote zittern lassen und die kleinen Sender optimieren ihre Nischen. Wirklich neu ist nur ‚d-force‘. Endlich eine DSP (Demand Side Plattform) für alle digitalen und adressable Formate der beiden großen Sendergruppen mit Buchung des kompletten Portfolios der Ad Alliance und SevenOne Media über eine gemeinsame Plattform, einheitlichen technischen Vorgaben und (hoffentlich) wirklich übergreifendem Frequency-Capping. YouTube wurde eingeladen mitzuwirken, aber die Zustimmung des Bundeskartellamts steht noch aus.