Über die Angst beim Einkaufen

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Natacha Dagneaud, Managing Director vom Marktforschungsinstitut Séissmo, hat Menschen in Deutschland und Frankreich über ihre Einkäufe erzählen lassen und dabei die „Shopping Exfearience“ entdeckt, schreibt sie auf planung & analyse, dem Marktforschungs-Portal von Horizont Medien. „Wie unter einem Brennglas“ sei die Krise im Supermarkt sichtbar gewesen, berichtet die Dortmunder Kulturanthropologin Gudrun M. König in einem Artikel für „Die Welt“. Und weil der Akt des Einkaufens „Teil unseres gesellschaftlichen Handelns“ ist, sind Studien zur Shopping Experience übertragbar auf das Gesamtklima eines Landes. Das können wir bestätigen, schreibt sie weiter. Im Rahmen der jährlichen Grundlagenforschung Séissmograph sei das neue Phänomen der „Shopping Exfearience“, also der Angst beim Einkaufen, untersucht worden. Verbraucher wurden mit kognitiven Interviews von Bildschirm zu Bildschirm zu ihren Erlebnissen und Gefühlen beim letzten Einkauf befragt. Einen ersten Hinweis auf die Nicht-Normalität ergab sich, als die Probanden gebeten wurden, ihre Einkaufserlebnisse im Detail zu schildern: Die Schilderungen der Einkaufsakte waren – verglichen mit ähnlich angelegten Interviews in der Vergangenheit – deutlich ausführlicher. In der gleichen Zeit sprachen die Probanden teilweise fast doppelt so viel. Und es gab eine Fülle an neuen Wörtern, die zu einer erheblichen Erweiterung des Codeplans führten. Neue Vokabeln wie Handschuhe, Mundschutz, Plexiglas, Aufpasser, anfassen, Desinfektion, Gel, (andere) Leute, Abstand(halten) mussten aufgenommen werden. Die bekannten Themen wie Einkaufswagen, Schlange stehen, Parkplatz und Auto, Obst & Gemüse-Abteilung, Stress fielen plötzlich sehr viel mehr ins Gewicht. All diese Stichwörter kristallisieren neue neuralgische Punkte beim Einkauf heraus. Die erheblichen Unterschiede in der Struktur der Interviews in der Vor- und Während-Corona-Zeit zeigen, welche gewaltige Verhaltensänderung es bei den Shoppern gegeben hat. Aber was ist, wenn wir uns alle an diese „Anormalität“ gewöhnen und nicht mehr groß über Masken, Desinfektion oder andere störende Mit-Shopper berichten? Heißt das, dass wir uns wohl(er) fühlen? Dass wir zuversichtlich in die Zukunft schauen und konsumfreudig sind? Eben nicht, schreibt Dagneaud. Und deshalb gibt es einen anderen, vielleicht noch verräterischeren Hinweis auf die Shopping Exfearience: Die Nutzung der Verneinung. Eher zufällig seien sie bei der Untersuchung über eine mehr als fünffach höhere Verneinung („nicht“ und „kein“) im deutschen Transkript der Beschreibung der Einkaufserfahrungen gestolpert.